Kulturhauptstadt 2025 in weiter Ferne

Am 20. März fand das von unserer Fraktion ausgerichtete Bürgergespräch „Ein Land – zwei Bewerber?“ statt. Eingeladen waren Gäste aus der Landeshauptstadt, um über die Magdeburger Pläne zu sprechen, den Titel der europäischen Kulturhauptstadt 2025 an die Elbe zu holen.

In der Diskussion wurde einiges deutlich. Dr. Wolfgang Schneiß, Abteilungsleiter Kultur in der Staatskanzlei, betonte, dass der zeitliche Vorlauf von Magdeburg ein großer Vorteil sei. Die Stadt mache durch Projektanträge schon jetzt kenntlich, in welche Richtung der Weg gehe. Magdeburg arbeitet seit 2012 an der Bewerbung, seit 2015 gibt es einen Stadtratsbeschluss und Haushaltsmittel. Selbstverständlich könne Halle sich ebenfalls bewerben, doch Zweifel, ob der Vorsprung ausgeglichen werden könne, waren spürbar.

Auch Tamás Szalay, Leiter des Organisationsbüros Magdeburg 2025, betonte, dass Zeit wertvoll sei, wenn es um das Konzept gehe. Es gehe darum, ein Thema zu finden, dass nachhaltig sei und Transformationsprozesse aufzeige sowie identitätsstiftend sei. Damit beschäftigen sich derzeit fünf Beiräte. In Halle erörtert seit Januar ein Beirat die Chancen für Halle, das Ergebnis wird im Juni präsentiert.

Norbert Pohlmann, Geschäftsführer des Forums Gestaltung, wies auf die identitätsbildenden Prozesse hin. Es gehe nicht darum, das Blattgold zu putzen, das reiche nicht. Es müssten Defizite aufgedeckt und Wege entwickelt werden, diese auszugleichen. Kultur müsse heilen, als demokratisierendes Mittel gefasst werden. Und dies müsse von den Bürgern auch so angenommen werden, sonst sei eine Bewerbung aussichtslos.

 

Die Diskussion zeigt, wie weit der Weg für Halle zur ernsthaften Bewerbung ist. Es ist kein ermutigendes Zeichen, dass nach persönlicher Einladung kein Vertreter der Verwaltung an der Diskussion interessiert war. Der Oberbürgermeister machte im Vorfeld klar, dass die Veranstaltung keine Relevanz für den Diskussionsprozess hätte. Da kann man anderer Auffassung sein. Ein Austausch – untereinander und mit anderen Städten – ist wesentlich und inspirierend, wenn man sich diesem Gedankenexperiment hingeben will. Halle muss mit einer klaren, untersetzten Beschlussfassung die Bewerbung in Angriff nehmen, sollte der Beirat eine solche Empfehlung aussprechen. Es bringt nichts, über Allgemeines und Möglichkeiten einer Bewerbung zu schwadronieren. Wenn sich Halle bewerben möchte, dann schnell, untersetzt mit Personal und finanziellen Mitteln. Anders geht es nicht.


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