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Stellungnahme der Fraktion MitBÜRGER für Halle – NEUES FORUM zum Abriss des alten Planetariums auf der Peißnitz

Der Fraktion MitBÜRGER für Halle – NEUES FORUM wurde wie allen Fraktionen mehrmals in den Ausschüssen des Stadtrates von Seiten der Verwaltung die Notwendigkeit eines Abriss für die Freigabe der Fördermittel für den Neubau des Planetariums am Holzplatz mitgeteilt. Dies sei, so die Verwaltung, ein direkter und nicht auflösbarer Zusammenhang. Versuche unserer Fraktion, die inzwischen denkmalgeschützte Schalenkonstruktion vorzugsweise am alten Standort zu erhalten und beispielsweise Vereinen zum Betreiben zu überlassen oder auch als Skulptur mit Wert als Kulturdenkmal zu erhalten, scheiterten an genau dieser Argumentation. Dass sich dieses Argument als möglicherweise nicht richtig herausstellen könnte, war uns nicht bewusst.

Einem Schreiben des Landesverwaltungsamtes an die Stadtverwaltung vom 2. Juni 2015 zur Fördermaßnahme 41 Planetarium war zu entnehmen, dass im Rahmen des Fluthilfeprogramms zur Schadensbeseitigung aufgrund des „technischen Totalschadens“ des alten Planetariums die Förderung eines Neubaus nur unter der Voraussetzung erfolge, dass keine weitere Nutzung des alten Gebäudes möglich sei. Ein Abriss schien erforderlich.

Zudem erreichte am 25.06.2015 unsere Fraktion ein Schreiben des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, in dem dargelegt wurde, dass aus denkmalfachlicher Sicht die von uns dem Landesamt vorgeschlagene Lösung eines Erhalts der Schalenkonstruktion sehr begrüßenswert sei. Voraussetzung sei, dass es a) eine Voruntersuchung gibt, ob und wie  die offenbar massiven statischen Schäden durch Ertüchtigungsmaßnahmen behoben werden können, b) ob eine Präsentationsform gefunden wird, die verkehrssicher und einigermaßen vandalismusresistent ist, c) ein Eigentümer gefunden wird, der für das Denkmal sorgt und d) eine Finanzierung für diesen Unterhalt sichergestellt wird.

In Antwort auf die Faktenlage schrieb unsere Fraktion ihrerseits an das Landesverwaltungsamt z.H. Herrn Marquard vom Referat Städte- und Wohnungsbauförderung, Wohnungswesen, Schulbauförderung. Darin legte die Fraktion ihr Vorhaben dar:

 

Sehr geehrter Herr Marquardt,

Ihrem Schreiben an Herrn Heinz, GB III Kultur und Sport der Stadt Halle (Saale), vom 2. Juni 2015 zur Fördermaßnahme 41 Planetarium ist zu entnehmen, dass im Rahmen des Fluthilfeprogramms zur Schadensbeseitigung aufgrund des technischen Totalschadens des alten Planetariums die Förderung eines Neubaus nur unter der Voraussetzung erfolge, dass keine weitere Nutzung des alten Gebäudes möglich sei. Unter dieser Voraussetzung – dass ein Teilerhalt des HP-Schalenkonstrukts nicht förderschädlich für das Projekt des Neubaus eines Planetariums werde – wende ich mich als Fraktionsvorsitzender der Fraktion MitBÜRGER für Halle – NEUES FORUM im Stadtrat der Stadt Halle (Saale) an Sie.

Neben Ihrem Schreiben liegt auch eine Denkmalbegründung zum Denkmalschutz der baulichen Hülle des ehemaligen Raumflugplanetariums vor. Der Rundbau mit skulpturalem HP-Schalendach und Stahlbetonlamellen sowie das pultartige aufsteigende Dachwerk des Kuppelgebäudes, welches ebenso aus HP-Schalen des Patentinhabers Herbert Müller (1918-1987) besteht, sollen so rückgebaut werden, dass sie an anderer Stelle wieder als Denkmal aufgebaut werden können. Das bedeutet, dass es Bewahrungsauflagen zum Abriss geben wird.

Vor diesem Hintergrund besteht das Interesse, das Gebäude im Sinne einer Entkernung abzureißen, um künftig dennoch das HP-Schalen-Konstrukt in Form einer „leeren“ architektonischen Bauhülle als Dachskulptur vor Ort zu erhalten und der HP-Schalen-Technik einen würdigen Denkmalort zu geben. Damit würde man Kosten des denkmalgerechten Rückbaus, des Transports, der Aufbewahrung und des Wiederaufbaus als Skulptur sparen. So würde zugleich ein Platz erhalten bleiben, der die Erinnerung an die Architektur der Nachkriegsmoderne und 1970er Jahre mit ihrem typischen Erscheinungsbild dort wachhält, wo sie auch authentisch ist.  Eine Nutzung als Raumpflugplanetarium bleibt natürlich nicht gegeben, einzig die Wahrung als Denkmalplatz mit Hilfe der Bauhülle als Skulptur würde erfolgen.

Von daher die Frage an Sie, ob das oben beschriebene Vorgehen einer Förderung des Neubaus eines Planetariums am Gasometer entgegenstehen würde oder ob ein Abriss bis auf die Bauhülle der HP-Schalen-Konstruktion ausreiche.

Wenn dies möglich ist, würde die Fraktion gleichzeitig beantragen, dass

  • eine Voruntersuchung erstellt werde, ob und wie die offenbar massiven statischen Schäden durch Ertüchtigungsmaßnahmen behoben werden können,
  • eine Präsentationsform der Bauhülle gefunden wird, die verkehrssicher und vandalismusresistent ist,
  • Verantwortungen definiert werden, wer für die Unterhaltung des Denkmal sorgt

Die Fraktion der MitBÜRGER für Halle – NEUES FORUM möchte am 30. Juni 2015 im kommunalen Finanzausschuss der Stadt beantragen, dass der Abriss unter Vorbehalt Ihrer Antwort zu diesen Auflagen erfolgen soll. Auch wenn dies sehr zeitnah ist, würde uns eine Antwort von Ihnen sehr helfen und von daher bitte ich Sie um Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

Tom Wolter
Fraktionsvorsitzender

 

Eine Antwort bekam die Fraktion auf ihre Fragen nicht. Die Fraktion positionierte sich in einer Presseerklärung vom 29.06.2015:

„Es handelt sich beim Raumflugplanetarium um einen architektonisch wertvollen und erhaltungswürdigen Bau“, betont der Fraktionsvorsitzende Tom Wolter. Die Fraktion MitBÜRGER für Halle – NEUES FORUM wird daher auf Vorschlag der erweiterten Fraktion im Finanzausschuss am 30.06.2015 beantragen, dass der Rundbau mit skulpturalem HP-Schalendach und Stahlbetonlamellen sowie das pultartige aufsteigende Dachwerk des Kuppelgebäudes, welches ebenso aus HP-Schalen des Patentinhabers Herbert Müller besteht, so rückgebaut werden, dass sie in Form einer „leeren“ architektonischen Bauhülle als Dachskulptur vor Ort erhalten bleiben, und der HP-Schalen-Technik so ein würdiger Denkmalort gegeben wird. „Damit spart man die Kosten des denkmalgerechten Rückbaus, des Transports, der Aufbewahrung und des Wiederaufbaus als Skulptur, und es würde zugleich ein Platz erhalten bleiben, der die Erinnerung an die Architektur der Nachkriegsmoderne und 1970er Jahre mit ihrem typischen Erscheinungsbild dort wachhält, wo sie auch authentisch ist“, begründet Tom Wolter den Änderungsantrag der Fraktion.

Eine Nutzung als Raumpflugplanetarium könne natürlich nicht fortgesetzt werden, einzig die Wahrung als Denkmalplatz mit Hilfe der Bauhülle als Skulptur würde erfolgen.“

 

Der von uns eingereichte Änderungsantrag der Fraktion MitBÜRGER für Halle – NEUES FORUM zur Genehmigung einer außerplanmäßigen Aufwendung im Ergebnishaushalt und einer außerplanmäßigen Auszahlung im Finanzhaushalt für das Haushaltsjahr 2015 im Geschäftsbereich III (VI/2015/01030) wurde vom Finanzausschuss am 30.06.2015 mehrheitlich abgelehnt (Ja: 2, Nein: 6, Enthaltungen: 3). Besonders die CDU/FDP-Fraktion stellte sich aktiv gegen den Erhalt als Skulptur und Denkmal mit dem Hinweis, ähnliche Bauten gäbe es schon an anderer Stelle. Die LINKE und SPD äußerten Bedenken hinsichtlich möglicher Folgekosten für die Stadt.

 

Zuletzt wurden die Hoffnungen zum Erhalt der Schalenkonstruktion durch die Verwaltung zerstreut, indem sie einer Bergung der Schalenkonstruktion eine Absage erteilte (Informationsvorlage (VI/2017/02890):

„Es kann keine Aussage darüber getroffen werden, ob überhaupt eine HP-Schale sicher geborgen werden kann. Beim Abheben der einzelnen HP-Schalen können durch das Versagen der Bewehrung ein unkontrolliertes Zusammenklappen und indessen Folge Gefährdungen für das Abbruchunternehmen entstehen. Die erhöhten Kosten (130.870 €) eines Versuchs der zerstörungsfreien Demontage sind nicht förderfähig und können somit nicht übernommen werden. Für diese Mittel gibt es keine Deckung im Haushalt der Stadt Halle (Saale). Auf Grund des zusätzlichen, nicht förderfähigen Aufwands und der Risiken wird die Verwaltung keine Bergung der konischen Schalenkonstruktion vornehmen.“

 

Neben der oben erläuterten Initiativen, unserer Unterstützung für die Ratsinitiative der Grünen zur Verhinderung des Abrisses und einigen Anfragen zu den Hintergründen des Abrissen konzentrierten sich unsere Bemühungen vor allem auf die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen, die für den Erhalt des alten Planetariums kämpften. Insbesondere befanden wir uns in Abstimmung mit dem Peißnitzhaus e.V., der Hoffnungen hegte, als Träger für den Betrieb des alten Plantarium mit neuer Nutzung zu übernehmen. In einem Gespräch zwischen Peißnitzhaus e.V. und der Verwaltung musste diese Hoffnung jedoch aufgegeben werden, da jede Nutzung des alten Planetariums durch Verwaltung und Landesverwaltungsamt abgelehnt wurde. Als Träger der Pflege der Schalenkonstruktion am alten Standort konnte der Peißnitzhaus e.V. nicht auftreten. Daraufhin unterstützten wir die Denkmalinitiative Schalendom in ihrem Vorhaben einer Patenschaft für die Schalenkonstruktion. Leider konnte sich die Initiative mit ihrem Vorhaben nicht durchsetzen.

 

Die Meldung in der Mitteldeutschen Zeitung vom 22.12.2017, dass die Verwaltung den Rat mit ihren Aussagen, dass Abriss und Neubau in einem direkten Förderverhältnis stünden, getäuscht haben könnte, besorgt uns sehr. Wir werden, sicherlich gemeinsam mit weiteren Fraktionen des Stadtrates, den Sachverhalt prüfen und gegebenenfalls weitere notwendige Schritte einleiten.

 

gez. Tom Wolter
Fraktionsvorsitzender


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