Dem Erziehermangel entgegenwirken

Der Erziehermangel ist auch in Halle (Saale) ein ernstzunehmendes Problem, dem wir uns als Kommune in Abstimmung mit dem Land Sachsen-Anhalt stellen müssen. Aus diesem Grunde hat die Fraktion MitBÜRGER für Halle – NEUES FORUM bereits im Juni letztes Jahr eine öffentliche Diskussion zwischen Verwaltung und Erziehern moderiert. Ein erster Schritt, der nun konsequent weitergedacht werden muss. Aus diesem Grund haben wir uns als Fraktion entschlossen, einen konkreten Lösungsvorschlag in den Stadtrat einzubringen. Ende Februar wird sich der Rat mit unserer Initiative beschäftigen, in Halle (Saale) eine praxisintegrierte Ausbildung (PiA) einzuführen, um die Erzieherausbildung attraktiver zu gestalten und zusätzliche Bewerber zu gewinnen. In der konventionellen Ausbildung gehen die angehenden Erzieher zwei Jahre auf eine Fachschule und absolvieren im Anschluss ein Anerkennungsjahr oder Berufspraktikum. Die dreijährige Phase der Erzieherausbildung in der PiA wird so strukturiert, dass Theorie und Praxis nicht in voneinander abgetrennten Ausbildungsblöcken vermittelt werden, sondern die praktische Ausbildung wie bei der dualen Ausbildung pro Woche an zwei Tagen durch Theorievermittlung an der Fachschule ergänzt wird. So gelingt ein besserer Transfer zwischen theoretisch erworbenem Wissen und praktischer Bildungs- und Betreuungsarbeit. Neu ist an der PiA auch, dass in allen drei Ausbildungsjahren eine Vergütung bezahlt wird, an deren Kosten sich die Stadt beteiligen soll.

Fachschulen arbeiten bereits eng mit Praxisstellen zusammen, bei der PiA findet eine intensive Zusammenarbeit direkt mit den Trägern statt, die in einer Kooperationsvereinbarung formuliert ist und Rechte bzw. Pflichten beider Partner festhält. Die Träger sind nicht mehr nur „Abnehmer“ von Absolventen, sondern Ausbildungspartner. So können Träger der Kinder- und Jugendhilfe konkret die methodische und didaktische Kompetenz der Auszubildenden bedarfsgerecht formen.

Wir erhoffen uns mit der Initiative eine Attraktivitätssteigerung für neue Zielgruppen, darunter vor allem Männer und Quereinsteiger. Das bezahlte Ausbildungsverhältnis erleichtert besonders denjenigen die Entscheidung zur Ausbildung, die einen eigenen Haushalt zu finanzieren haben. Für die einen knüpft das Modell an vorhandene Arbeitnehmererfahrungen an, für die anderen ist es gerade nach langer Schulzeit attraktiv. Davon kann die Stadt Halle (Saale) als Vorreiter und mittelfristig das gesamte Land profitieren.


1 Kommentar

  • Damaris Herrmann sagt:

    Eine Super Idee. Ich sammle gerade als Bufdi Erfahrungen als Erzieher in einer Einrichtung in Halle. Nun wollte ich eine Ausbildung zum Erzieher beginnen. Doch eine Unterstützung durch das Jobcenter gibt es nicht. Für Bafög reicht meine Zeit nicht aus und selbst finanzieren kann ich die Ausbildung nicht. Da käme ihr Vorschlag gerade recht.
    D.H.


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