Virtuelle Realität als Medium für Bürgerbeteiligung

Große Infrastrukturprojekte lösen immer wieder heftige Diskussionen aus. Ein solch kontrovers diskutiertes Bauvorhaben in Halle war die Umgestaltung des Steintor-Areals. Dieser durch eine intensive Öffentlichkeitsbeteiligung geprägte Prozess der Entwurfsplanung wurde von vielen Akteuren gelobt. Dennoch stellen wir uns die Frage, ob die Möglichkeiten der Digitalisierung das Potenzial haben, die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern noch barriereärmer zu gestalten.

Ganz konkret möchte die Fraktion MitBÜRGER für Halle – NEUES FORUM diskutieren, inwieweit der Einsatz von VR-Technologie bei Beteiligungsverfahren die Gestaltung unserer Stadt sinnvoll unterstützen kann. Virtuelle Realität, kurz VR, bezeichnet eine computergenerierte, virtuelle Umgebung, die mithilfe spezieller Brillen als Realität wahrgenommen wird. VR-Systeme verfügen über eine freie Navigation in Echtzeit.

Erkenntnisse aus der Kognitionspsychologie belegen, dass visuelle Darstellungen besser entschlüsselt und erinnert werden können. Das gilt insbesondere dann, wenn Menschen nicht intensiv in ein Thema eingearbeitet sind. Der Einsatz von Visualisierungen ist daher ein bewährtes Instrument im Rahmen von Bürgerbeteiligungsverfahren. Visualisierungen haben das Potenzial die Lesbarkeit und Verständlichkeit von Bauvorhaben zu unterstützen, sie können Interesse wecken sowie Akzeptanz schaffen.

In den letzten Jahren hat sich auf dem Gebiet der Visualisierungstechnologien viel getan. So ist es heute möglich ein virtuelles 3D-Modell von einem Bauprojekt zu erstellen, welches – wie in einem Computerspiel – erkundet werden kann. VR-Simulationen können die Auswirkungen des Vorhabens auf die Umgebung greifbarer machen – wie beispielsweise in Bezug auf Sichtachsen oder Verkehrsströme. Darüber hinaus kann die virtuelle Umgebung – durch Ein- und Ausblenden von Objekten – einen effizienten Variantenvergleich ermöglichen.

Empirische Untersuchungen zeigen, dass interaktive Visualisierungen altersübergreifend auf große Akzeptanz stoßen. Im Rahmen von Rezeptionsstudien gaben Probanden interaktiven 3D-Echtzeitumgebungen klar den Vorzug gegenüber klassischen Architekturmodellen oder technischen Renderings.

Vorab muss selbstverständlich geprüft werden, wie kostenintensiv eine solche modellhafte Begleitung eines Bauvorhabens ist. Wir hoffen, dass dies im Budget für Bürgerbeteiligung möglich ist. Uns geht es mit diesem Vorschlag darum, einen Impuls hin zu innovativen Formaten der Bürgerbeteiligung zu geben.


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