Anregung der Fraktion MitBÜRGER für Halle – NEUES FORUM zur Einführung einer praxisintegrierten Erzieherausbildung (PiA)

Wie in anderen Bundesländern auch, herrscht in Sachsen-Anhalt ein massiver, sich verschärfender Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen.

Dieser Mangel an qualifizierten Fachkräften ist auch – aber nicht ausschließlich – auf die demografische Entwicklung zurückzuführen. Mit dem Inkrafttreten des Kinderförderungsgesetz (KiFöG) änderte sich die Anzahl sowie die Altersstruktur der zu betreuenden Kinder. Seit dem 1. August 2013 besteht danach ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder vom vollendeten ersten bis zum vollendeten dritten Lebensjahr. Auch die steigende Zuwanderung führt zu einem zusätzlichen Bedarf an Betreuungsplätzen. Darüber hinaus ist das Thema „Frühkindliche Bildung“ in den vergangenen Jahren zu einem zentralen gesellschaftlichen und politischen Schwerpunktthema geworden. Kindertageseinrichtungen haben sich zu Bildungseinrichtungen weiter entwickelt.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer gezielten Steuerung hinsichtlich der Ausrichtung und der Quantität des Ausbildungsangebots im Erziehungsbereich. Vor dem Hintergrund der Ausweitung des Verantwortungsbereichs, darf es hier nicht darum gehen, die Ausbildungszeit zu verkürzen. Vielmehr sollte das Ziel sein, mehr Menschen für diesen Beruf zu gewinnen. Hier setzt das Modell der praxisintegrierten Erzieherausbildung (PiA) an. Ziel von PiA ist es, „zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen und gleichzeitig zusätzliche Zielgruppen für die Erzieher/-innen-Ausbildung zu gewinnen.“[1]

Ein Vorteil von PiA ist, dass die Beteiligten ab dem ersten Tag eine Ausbildungsvergütung erhalten. Damit eröffnet dieses Modell auch Quereinsteigern und Älteren den Zugang zu diesem Beruf. Ein weiterer Vorteil von PiA ist die enge Verzahnung von praktischen und theoretischen Inhalten. Während der konventionelle Ausbildungsweg in den ersten zwei Jahren den Besuch einer Fachschule und ein anschließendes Anerkennungsjahr vorsieht, werden die praktischen Anteile bei PiA vom ersten Ausbildungsjahr an integriert (2-3 Tage/Woche) – wie bei einer dualen Ausbildung.

Im Schuljahr 2012/2013 wurde das Modell PiA in Baden-Württemberg eingeführt. Mittlerweile wird es in NRW, zum Teil in Bayern und weiteren Bundesländern angeboten. Auch in Sachsen-Anhalt läuft seit dem Schuljahr 2015/2016 das Modellprojekt „Fachkraft für Kindertageseinrichtungen“.

In Baden-Württemberg führt PiA zum Abschluss „Staatlich anerkannte/r Erzieher/in“. Damit ist die bundesweite Anerkennung dieser Ausbildung gegeben. In Sachsen-Anhalt soll jedoch mit PiA ein neuer Berufsabschluss eingeführt werden: „Staatlich geprüfte Fachkraft für Kindertages-einrichtungen“. Dieser ist nicht staatlich anerkannt, sondern lediglich geprüft und damit nur in Sachsen-Anhalt zugelassen.

Auch unterscheiden sich die Zugangsvoraussetzungen in den beiden Bundesländern grundlegend: Dürfen in Sachsen-Anhalt Schüler/innen bei Beginn der Ausbildung das 25. Lebensjahr nicht vollendet haben, ist in Baden-Württemberg keine Altersbeschränkung vorgesehen. Wird in Sachsen-Anhalt lediglich ein Realschulabschluss vorausgesetzt, wird in Baden-Württemberg nur zugelassen, wer darüber hinaus einen Berufsabschluss als Kinderpfleger/in, die Fachhochschulreife in Verbindung mit einer praktischen Tätigkeit, o.ä. vorweisen kann. Im Gegensatz zu Baden-Württemberg, ist die neue Ausbildung zur „Staatlich geprüften Fachkraft für Kindertageseinrichtungen“ in Sachsen-Anhalt damit nicht darauf ausgerichtet, Quereinsteiger und Ältere für diese Ausbildung zu gewinnen.

Hinsichtlich der Finanzierung ist in Baden-Württemberg eine Anrechnung als „Fachkraft in Ausbildung“ von bis zu 0,4 Stellenanteil möglich, wobei knapp 50% der Träger davon überhaupt nicht Gebrauch machen und gut 25% der Träger mit 0,2 Stellenanteil auf den Personalschlüssel anrechnen.

 

 

[1] Eckpunktepapier zur Implementierung einer praxisintegrierten Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in Baden- Württemberg, 2012.


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