Für vielfältige Quartiere

Das erste Wohnungspolitische Konzept der Stadt Halle soll noch vor der Sommerpause beschlossen werden. Der Wohnungsmarkt war über viele Jahre entspannt, das Stadtbild durch hohen Leerstand geprägt. Seit 2010 zeichnet sich jedoch eine Trendwende ab: Mittlerweile gibt es eine große Nachfrage nach Immobilien und Bauland. So plant die Bau- und Wohnungsgenossenschaft (BWG) aktuell im Stadtteil Gesundbrunnen ein neues Quartier mit 280 Wohnungen. Die Kaltmiete soll dort bei rund zehn Euro pro Quadratmeter liegen. Es sind auch solche Bauprojekte, die sich zunehmend auf die steigende Durchschnittsmiete in der Stadt auswirken.

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) definiert vor dem Hintergrund dieser Transformationsprozesse die langfristigen Leitlinien für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Im Bereich Wohnen formuliert das ISEK als Kernziele eine gute Durchmischung in den Quartieren und eine sozialgerechte Wohnungsmarktentwicklung. Hier will das Wohnungspolitische Konzept anknüpfen: Im Dialog mit Fachleuten aus Wissenschaft und Wohnungswirtschaft wurden 16 Instrumente und Maßnahmen in sieben Handlungsfeldern erarbeitet, mit denen auf aktuelle und zukünftige Wohnungsmarktentwicklungen reagiert werden soll.

Aus Sicht unserer Fraktion greift der Entwurf des Wohnungspolitischen Konzeptes zu kurz. Ziel ist es, bezahlbaren Wohnraum in den zentrumsnahen Stadtvierteln zu schaffen und zu erhalten. Dieser Gedanke findet sich nur in Spuren in diesem Konzept wieder. Wir setzen uns dafür ein, dass dort auch Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen wohnen können, die keinen Anspruch auf Kosten der Unterkunft (KdU) haben. Während eine Selbstverpflichtung der Halleschen Wohnungsgesellschaft (HWG) helfen soll, den Bedarf an KdU-gerechtem Wohnraum zu decken, werden Haushalte mit nur geringfügig höherem Einkommen bisher nicht explizit berücksichtigt.

In Halle, einer Stadt mit einem großen Anteil an Niedriglohnbeschäftigung, spielt Segregation eine Rolle. Was passieren kann, wenn sich Armut und fehlende Zukunftsperspektiven an einem Ort ballen, führt die Situation in den benachteiligten Vororten zahlreicher französischer Großstädte vor Augen. Für den sozialen Zusammenhalt ist die Durchmischung aller Quartiere wichtig. Ziel muss deswegen sein, der Verdrängung in zentrumsnahen Stadtvierteln entgegenzuwirken. Daher fordern wir, dass bei größeren Neubau- und Modernisierungsvorhaben mindestens 20 % der Wohnungen zu einem sozialverträglichen Mietpreis bereitgestellt werden.

 

 


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>