Kommunale Datenhoheit als Standortfaktor

In Städten werden jeden Tag große Datenmengen erzeugt und verarbeitet – vom Energieverbrauch über Mobilitätsdaten bis hin zu Daten zur Luftqualität und Lärmbelastung. Diese Daten sind von öffentlichem Interesse, daher sollten Kommunen Zugang dazu haben. Bereichsübergreifend verknüpft können urbane Daten dabei helfen, die Stadt besser zu verstehen, Abläufe zu optimieren und die Stadt damit nachhaltiger zu gestalten.
Ein aktuelles Beispiel ist die geplante Einführung des Handy-Parkens in der Stadt Halle (Saale). Beim Handy-Parken wird ein Parkschein per SMS oder Anruf gelöst. Dafür beauftragt die Kommune einen Betreiber, der die Infrastruktur bereitstellt, den Parkvorgang mit dem Kunden abrechnet und die Parkgebühren an die Kommune abführt. Dazu soll in unserer Stadt in naher Zukunft ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt werden.
Mit einem Änderungsantrag setzt sich die Fraktion MitBÜRGER für Halle – NEUES FORUM dafür ein, dass seitens der zukünftigen Systembetreiber zugesichert und vertraglich festgeschrieben wird, dass die Datenhoheit über die Parkraumdaten auch in Zukunft bei der Stadt Halle (Saale) liegt oder dass für die Stadtverwaltung zumindest ein Zugriff auf diese Daten möglich ist.
Der Parkraum stellt für Kommunen eine wichtige Datenquelle dar. Auch in Halle (Saale) ist der Parksuchverkehr ein bedeutender und hemmender Faktor. So werden für eine 10-minütige Parkplatzsuche rund 4,5 km Strecke zurückgelegt. Der offene Zugriff auf Parkraumdaten kann ein Parkraummanagement ermöglichen, das auf dynamischen Daten beruht und in der Lage ist, den Parksuchverkehr zu optimieren und damit erheblich zu reduzieren.
Die Stadt Halle (Saale) sollte jetzt aktiv werden und sich gezielt mit den Chancen und Herausforderungen des urbanen Datenraums für die öffentliche Verwaltung auseinandersetzen. Das wollen wir als Fraktion vorantreiben. Neben offenen Verwaltungsdaten (Open Data) ist die kommunale Datenhoheit ein weiteres wichtiges Handlungsfeld der Digitalisierung, welches wir im Blick haben müssen.
Das Ziel von Verwaltungsarbeit sollte dabei sein, auf Basis der zur Verfügung stehenden Daten ressourcenschonende, bedarfsgerechte Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig Datenschutz und Datensicherheit zu gewährleisten. „Der Aufbau und Erhalt einer effizienten Dateninfrastruktur wird in Zukunft ein ausschlaggebender Standortfaktor sein“, so Stadträtin Regina Schöps. Daher ist es entscheidend, dass die kommunale Datenhoheit nicht Konzernen überlassen wird.


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>